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Überblick über das Projekt Virtuelle Brücke in der
Weichsel
Es
ist gelungen, Grenzen zu überschreiten. Begonnen hat es mit der LICHT
- UND TONINSTALLATION VON HANSPETER KUHN zwischen dem 17. Mai und 4. Juni:
eine Kette von 65 Neonlichtern, die wie eine Welle von Stalaktiten unter
der Brücke witokrzyski angeordnet waren, verbunden mit Tonkompositionen,
die während dieser Zeit jeden Abend von 21 Uhr bis 03 Uhr morgens den
Fluss überquerten und die Ufer miteinander verbanden. Viele Menschen sind
an den Fluss gekommen, um diese merkwürdige - sehr abstrakte, aber auch
sehr konkrete - Überschreitung der Grenze Fluss und Verbindung zwischen
den beiden Ufern zu erleben, bei Wind, Regen und Kälte: Hinweis und Werbung
für das, was am 3./4. Juni angekündigt war.
3./4.
Juni 2006
Die geplanten Konzerte, Ausstellungen, Performances, Veranstaltungen fanden
in komprimierter Form statt, es wurde ein ungewöhnlicher Erfolg: Das Publikum:
bis zu 5.000 Zuschauer. Immer wieder überquerten sie die Brücke, um den
Veranstaltungen auf der anderen Seite zu folgen - vorbei an der Installation
LIVING BRIDGE, einer Ausstellung von 52 Fotos von Jugendlichen aus Warschau
und Berlin, auf der anderen Seite eingerahmt von 320 Bäumen, die auf dem
Weg über die Brücke die beiden Ufern miteinander koppelten, Spannung zwischen
Natur und Technik.
Das
Konzept: offen und unprätentiös die Gespenster der Geschichte anzusehen,
den Respekt vor den Menschen des Warschauer Aufstands zu zeigen, Vertrauen
zwischen den Menschen nicht durch Verschweigen, sondern durch Wahrnehmung
zu gewinnen. Das Ziel war, die Menschen durch Erinnerung und Gegenwart
zu berühren, den Kontakt zum Fluss als magischen Ort zu entdecken, die
Stadt an den Fluss zu bringen, ihn immer wieder zu überqueren: crossing
the bridge, crossing the borderline between life and death, crossing the
borderline of prejudism.
Zitat Rzeczpospolita /5.6.06: "so etwas hat es in Warschau
noch nicht gegeben."
Die
Auswertung der Medien liegt mit diesem Bericht vor: verschiedene Sendungen
im Fernsehen und Rundfunk, Artikel in Zeitungen, Internet. Es entstand
eine große Aufmerksamkeit trotz kurzer Vorbereitungszeit und vieler konkurrierender
Veranstaltungen: das Volksfest der Stadt unter dem Titel "Warschau
ist trendy". Unsere mit viel geringeren Mitteln ausgestatteten Konzerte,
Ausstellungen, Performances und Fest gewannen im Vergleich der öffentlichen
Wahrnehmung: Zitat Gazeta Wyborcza vom 5.6.06.... das, was wirklich
faszinierte, war das Konzert von Leszek Mo¿d¿er unter der Brücke ¦wiêtokrzyski
zum Abschluss des Deutsch-Polnischen Jahres 2005/2006.
Wir
danken den stillen Unterstützern, Mäzenen und überzeugten Menschen in
öffentlichen und privaten Institutionen, die durch ihr Engagement das
Projekt möglich gemacht haben. Wir danken besonders einer kleinen Gruppe
ungewöhnlich passionierter Mitarbeiter.
17.5.,
das Programm
Das kurze Einspielen bei der Eröffnung des ersten Teils des Projekts am
17.5. aus dem Interview das "Museums über den Warschauer Aufstand"
mit einem Überlebenden auf der Basis von Texten, die sich auf den Fluss
Weichsel während des Aufstands beziehen, machte es deutlich, warum das
Projekt an der Brücke ¦wiêtokrzyski stattfand und sich mit der Überquerung
dieser symbolischen Grenze zwischen Leben und Tod auseinandersetzte: dem
Motto des ganzen Projekts.
3./4.
Juni, das Programm
Der inhaltliche Rahmen: poetische Bilder der Erinnerung an den Warschauer
Aufstand: von den autosuggestiven Lesungen junger Warschauer aus brennenden
Büchern, Büchern, aus denen Flammen kamen, ohne sie zu verbrennen - begleitet
von den Trommeln auf Ölfässern junger Berliner auf der anderen Seite des
Flusses -bis zur "Brücke der brennenden Schiffe" um Mitternacht
- wieder von den Eisentrommlern begleitet - bis zu dem "Tangodialog"
in der Mitte des Flusses zwischen einem polnischen und deutschen Tangopaar:
auf der schwimmenden Bühne begleitet von den Romamusikern der Gruppe Terno
-
"Vom Kampf zum Dialog": Überwindung von Vorurteil und Verletzung.
Künstler
und Jugendliche aus beiden Ländern in der künstlerischen Begegnung: die
Ausstellung auf der Brücke, das zentrale Konzert: Leszek Mo¿d¿er - noch
zur Eröffnung des Deutsch-Polnsichen Jahres 2005/2006 war er in Berlin
mit polnischen Musikern aufgetreten, jetzt wurden seine für diesen Moment
speziell vorbereiteten Kompositionen von bedeutenden deutsche Musiker
wie Martin und Susan Weinert, Hardy Fischötter zusammen mit Piotr Wojtasik
und Maciej Sika³a aus Polen gespielt.
Noch
nie haben so viele - tausende - Menschen immer wieder den Fluss überquert,
noch nie hat die Brücke so viel Leben gehabt. Von beiden Seiten des Flusses
haben sie die unterschiedlichen Silhouetten der Stadt erlebt, als vitalen
Mittelpunkt die Weichsel: Leben mit dem Fluss, die Stadt wieder an den
Fluss bringen!
Sämtliche
einzelnen Momente waren Ausdruck des inhaltlich aufeinander bezogenen
Konzepts, Bewusstsein der Geschichte, Erinnerung und Gegenwart im künstlerischen
Dialog. Die Sponsor-Parade auf dem Fluss mit Schiffen, auf denen Banner
und große Zeichen der Sponsoren gezeigt wurden, der Zug über die Brücke
mit den Bannern der Sponsoren - geführt von Musikern des Orchestra Redux
und auf der anderen Seite des Flusses empfangen von Roma Terno Musikern
- wurden zu künstlerischen Veranstaltungen und gaben dem Engagement der
Sponsoren eine andere Wertigkeit.
Schirmherrschaften
Schirmherrschaft der Stadt Warschau und des Senats von Berlin
Schirmherrschaft des polnischen Außenministers Stefan Meller
Unterstützung von Prof. Gesine Schwan, Präsidentin der Universität Viadrina/
Frankfurt/O und Beauftragte der Bundesregierung für die deutsch-polnischen
Beziehungen
Unterstützung der Kanzlei des Staatspräsidenten
Programm
17. Mai
Eröffnung 19 Uhr - ab 20 Uhr Klezmorim aus Lublin im Festzelt an der Weichsel
Catering - Einladung für die Gäste
21:45 viele zusätzliche Gäste, die von der Eröffnung der internationalen
Buchmesse kamen, u. a. der Botschafter der BRD - bis zu 1000 Zuschauer
21.50 Begrüßung durch den künstlerischen Leiter - Erinnerung an den Warschauer
Aufstand - Einspielen eines Tondokuments - Interview mit einem Überlebenden
aus dem Archiv des Museums des Warschauer Aufstands
22.00 Beginn der Licht und Toninstallation von Hans Peter Kuhn unterhalb
der Brücke ¦wiêtokrzyski. Dauer bis 01:00 morgens, sehr viele Menschen
blieben bis weit nach Mitternacht.
Die Installation wurde jeden Tag von 21:00 bis 03:00 gezeigt.
3./4.
Juni
Ausstellung auf der Brücke witokrzyski: 52 Photos von berliner und warschauer
Jugendlichen, die jeweils die Wirklichkeit der anderen Stadt fotografisch
untersucht haben.
16:30 Schiffsparade auf dem Fluss mit den Bannern der Sponsoren
Gleichzeitig soundcheck Redux Orchestra und Leszek Mo¿d¿er
18:00 Eröffnung mit Ansprachen des künstlerischen Leiters und der Direktorin
der Kulturabteilung der Stadt Warschau, Ma³gorzata Naimska. "Brennende
Bücher" - polnische Trommeln vom Fluss/ die Stimme des Flusses -
Trommeln aus Berlin vom Ufer Prags/ 16 Jugendliche aus Berlin trommeln
auf Ölfässern
18:30 Bühne im Fluss: Konzert Redux Orchestra/Cluborchester aus Berlin.
19:30 Parade über die Brücke ¦wiêtokrzyski mit Musikern von Redux und
Bannern der Sponsoren. Auf der Seite Praga werden sie von Musikern der
Gruppe Roma Terno empfangen
19:45 Seite Praga Konzert Gruppe Roma Terno
20:45 Bühne im Fluss / Seite Warschau Powi¶le - polnisch deutsches Jazzkonzert
Mit Leszek Mo¿d¿er
22:15 Seite Praga "Berlin Night" - deutsch-polnische DJ's: DJ
highfish/ Marcin Oz und DJ Jacek Sienkiewicz/ Recognition
23:50 Trommel Konzert Gruppe Bando aus Berlin - Gleichzeitig "Brücke
der brennenden Schiffe"
24:00 "Feuerkugeln unter der Brücke" / Kain Karawahn
00:10 Schwimmende Bühne "deutsch-polnischer Tango im Fluss":
vom Kampf zum Dialog
01:00 "Fortsetzung der Berlin Night" bis 03:00
Den
Menschen, die unseren Veranstaltungen so zahlreich bewegt und fasziniert
gefolgt sind, danken wir und freuen uns, wenn sie berührt wurden. Den
Sponsoren und zahlreichen Unterstützern danken wir für ihr Engagement.
Warszawa
/ Berlin Juni 2006
Artikel
in der Rzeczpospolita, 05.06.2006
Kunst
unter dem Brückenbogen
Zwei
Bühnen - eine auf einer am linken Ufer festgemachten Barke, die zweite
auf der Praga Seite des Flusses, zwischen ihnen die ¦wiêtokrzyski Brücke.
Das zehnstündige Fest an der Weichsel begann am Samstag und endete am
Sonntag in den Morgenstunden.
Manche Warschauer hatten schon die Hoffnung verloren, dass das Motto der
Annährung zwischen Stadt und Fluss jemals mit Leben erfüllt wird. Und
doch - eine so spektakuläre Veranstaltung wie die an der Brücke hat die
Hauptstadt noch nicht gesehen!
Vor Einfall der Dunkelheit begann auf einer Bühne auf dem Wasser, nahe
der Syrenka-Figur, ein Konzert mit Leszek Mo¿d¿er. Die Jazzmusik, die
das versammelte Publikum an der Weichselpromenade begeisterte, wurde eigens
für diesen Anlass komponiert.
Bis zum Höhepunkt des polnisch-deutschen Projekts "Virtuelle Brücke
in der Weichsel" - die Parade der Schiffe - musste man sich jedoch
noch bis Mitternacht gedulden.
Pünktlich um 0:00 näherten sich Boote der Brücke und vom Geländer wurden
Feuerkugeln heruntergelassen. Als die über dem Wasserspiegel kreisenden
Kugeln erloschen, tauchte am Horizont eine schwimmende Bühne auf. Auf
dessen Plattform präsentierten 2 polnisch-deutsche Paare einen Tangodialog.
Der gemeinsame Tanz ist ein Symbol der Vereinigung - sagt Stephan Stroux,
der künstlerische Leiter des Projekts. - Wir möchten über die Kunst Vorurteile
zwischen unseren Nationen überwinden.
Die Zuschauer verbargen nicht ihr Erstaunen über ein so unglaubliches
Spektakel.
- Die Luft blieb mir weg - sagte Dominika Mroczkowska, die hierher mit
einer Gruppe von Freunden gekommen ist. - Genau solche Veranstaltungen
fehlen in der Stadt - unterstreicht sie. Viele Warschauer feierten bis
3 Uhr morgens auf dem Fest unter der Brücke.
Autor:
Anna Brzeziñska
Artikel in der Gazeta Wyborcza
- Sto³eczna, S.1
Montag, 5. Juni 2006
Konzert
auf der Weichsel
Mo¿d¿er spielte auf einer schwimmenden Bühne
Das
Publikum saß auf den Betontreppen am Weichselufer. Auf der Bühne - einer
unter der ¦wiêtokrzyski Brücke festgemachten schwimmende Plattform - spielte
Leszek Mo¿d¿er mit polnischen und deutschen Musikern. Ihr Auftritt war
eine Hauptattraktion der Veranstaltung "Virtuelle Brücke in der Weichsel"
am Samstag im Rahmen des Polnisch-Deutschen Jahres.
Die Musiker spielten Stücke, die nur für diesen Anlass komponiert wurden.
In einem davon spielte Mo¿d¿er eine Klavierpartie auf einem in China produziertem
Kinderspielzeug, das er am Hauptbahnhof für 12 Z³oty erworben hatte.
Viele der Zuschauer kamen mit dem Fahrrad, einige tranken Bier, alles
erinnerte an einen Picknick. Über den Köpfen flogen Fledermäuse und hinter
der Bühne fuhr ein fröhlicher Ausflugsdampfer vorbei.
Autor:
Izabela Szymañska
Artikel in der Gazeta Wyborcza - Sto³eczna
- Kultura, S.9
Montag, 5. Juni 2006
"Warszawa
jest trendy"
Konzert ja, Einsperren nein
Wie
wurde ich zu einem "Wochenend-Kulturläufer"? Ich habe am Festival
"Warszawa jest trendy" ("Warschau ist trendy") teilgenommen,
organisiert vom Promotionsbüro der Stadt.
Das
Festival, das auch ein "50-Stunden-Marathon" genannt wurde,
begann am Freitag und endete gestern. Dazu gehörten Veranstaltungen, die
sowieso für Anfang Juni geplant waren, ein paar waren speziell für diesen
Anlass vorbereitet.
(...)
Ist Warschau trendy? Diese Frage beantworte ich nicht. Für mich war der
Hit das Konzert von Leszek Mo¿d¿er unter der ¦wiêtokrzyski Brücke, das
das Polnisch-Deutsche Jahr beendete. Dieses jedoch war nicht Teil des
Programms des Festivals.
Autor:
Izabela Szymañska
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